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Die Tonhalle Zürich...

...und die Volksmusik

Willkommen auf einer Seite, die nach und nach entsteht, quasi eine Open-Space-Seite, an der sich wie bei einer Stubete jeder beteiligen kann. Hier suchen wir Zeitzeugnisse,

  • die von Volksmusikkonzerten in der Tonhalle Zürich seit 1895 erzählen.
  • die vom Engagement der Tonhalle-Musiker in der Volksmusik erzählen.
  • die zeigen, dass Volksmusik in die Tonhalle Zürich gehört.
    Informieren Sie sich unten, was wir bis heute an Daten zusammengetragen haben. Bitte schreiben Sie uns, wenn Sie etwas zum Thema beitragen möchten >>

Ein echtes Chalet auf der brandneuen Bühne im Grossen Tonhalle-Saal: Das war 1896, ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Tonhalle. Man feierte das erste Schweizerische Trachtenfest, und das natürlich in der Tonhalle Zürich. Der Bogen schliesst sich, da der administrative Leiter der Stubete am See, Johannes Schmid-Kunz heute Geschäftsführer der Schweizerischen Trachtenvereinigung ist, und zwei Mal jährlich im Kleinen Tonhalle-Saal den Primarschülern der Stadt Zürich Lust auf Schweizerische Volkstänze macht.

Interessante Details zur Schweizerischen Trachtenbewegung Made in Zurich werden uns Madlaina Janett und Dorothea Zimmermann in ihrem Zürcher Stadtrundgang erzählen, der an der Stubete am See 2012 Premiere feiern wird: «Es sind städtisch-bürgerliche Kreise, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts beginnen, die in Vergessenheit geratenen Schweizer Trachten zu sammeln und die dazugehörigen Bräuche wieder neu aufleben zu lassen. Eine paradoxe Situation: Während der Anteil, der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung rapide zurückgeht, wird die Schweiz als ein Land von Bauern mystifiziert. Als eine der ersten grossen Werbeaktionen, um die Tracht populär zu machen, organisiert der Lesezirkel Hottingen zur Einweihung des Landesmuseums 1896 einen riesigen Trachtenumzug. 1500 Trachten aus allen Teilen der Schweiz werden präsentiert. Es sollten sich möglichst Bewohner aller Kantone in ihrer jeweiligen Tracht am Umzug beteiligen, jedoch zwangen Rekrutierungsprobleme die Veranstalter dazu, vor allem Zürcherinnen in den Trachten defilieren zu lassen. Diesem Umzug in der Stadt Zürich folgen mehrere äusserst beliebte Umzüge. Jahre später, als das Tragen von Trachten in den Bäuerinnenschulen Pflicht wird, tritt die Tracht ihren Siegeszug auch in ländlicheren Gebieten an. Endgültig etabliert hat sich die Bewegung im ganzen Land in den 30er-Jahren, was sich unter anderem am Trachtenfest und -umzug der legendären Landi 39 in Zürich manifestiert, welches der meistbesuchte Anlass der Landesausstellung überhaupt ist.»


Landszene Tonhalle Zürich

Die Decke des Grossen Tonhalle-Saals ist mit drei grossen Bildern geschmückt. Das eine wird oft “zitiert”, da Johannes Brahms, der neben andern Dirigenten das Eröffnungskonzert dieses Konzertsaals mitleitete, interessiert auf die Bühne schaut, was den heute gegeben wird…

Wir “zitieren” das andere Bild gerne, eine ländliche Szene, die die Bergwelt, das Sennenleben, Trachten und Volksmusik glorifiziert. Volkskultur mit der dazugehörigen Musik ist 1895 in der Tonhalle Zürich zu Hause.


Die Neue Tonhalle (1895) mit dem ursprünglichen Vorbau (bis 1936) verfügte über zahlreiche Möglichkeiten für Unterhaltungs- und Tanzmusik. Vor den Trocadéros war ein lauschiger Garten mit Restaurant und Musikpavillon. Im riesigen ovalen Musikpavillon unter den Trocadéros fanden rauschende Feste statt. Die Volks- und Salonmusik waren hier zu Hause und der Pavillon konnte zum herrlichen Garten am See hin geöffnet werden. Es wurde mit Konzerten des Tonhalle-Orchesters und mit Unterhaltungskonzerten geworben.



Alte Aufnahmen des Tonhalle-Orchesters im Audioplayer rechts

Im Audioplayer hören Sie 3 Stücke mit dem Tonhalle-Orchester Zürich:

  • «Les Hirondelles» mit den Piston-Solisten Arthur Klein und Wilhelm Wendl. Aufnahme 1909
  • «Am Abend der Schlacht» mit Arthur Klein, Piston. Aufnahme 1909
  • «Z'Gloggeglüt» Aufnahme um 1920
    Herzlichen Dank an Serge Schmid vom Entlebucher und Emmentaler Musikarchiv. Er hat den Wert dieser Aufnahmen erkannt und die Schellackplatten aufgetrieben und digitalisiert.

Volksmusikanten im TOZ

Otto Würsch (1908-1962) Solo-Horn

Otto Würsch 1908-1962

Otto Würsch (junior) von Emmetten/Kilchberg ZH war ein Multitalent. Er spielte in verschiedenen Schweizer Volksmusikensembles Cornet, Trompete, Tuba, Posaune und Bassgeige, 1945 wird er Solohornist zuerst im Radio-Orchester Zürich und später in der “blauen” Formation des Tonhalle-Orchesters, das heisst er spielt im Opernhaus.
Er spielte mit seinem Vater (Otto Würsch sen.) in der Ländlerkapelle Sebastian Kaufmann und Otto Würsch und in der Stadtmusik Luzern. Mit Kaspar Muter und Jost Ribary war er in unzähligen Formationen tätig. 1944 erlangte er am Konservatorium Zürich sein Diplom am Horn, Nebenfach Kontrabass. Später dirigierte er das Kantonspolizeicorps Zürich und die Blasmusik Wädenswil. Für sie arrangierte er die grossen Sinfonien (Z.B. Dvorak aus der neuen Welt) und hatte als strenger Leiter international grossen Erfolg. In seiner Studioformation «Ländlerkapelle Guggachbuebe» und der Formation «Freudenberger Dorfmusik» spielten mehrere Musikanten des Tonhalle-Orchesters (unter anderen Fridolin Frei als Trompetensolist und Marcel Frei als 2. Trompeter) zusammen mit Musikanten des Kantonspolizeicorps Zürich. Für diese Ensembles und für seine Blasmusikvereine komponierte Otto Würsch viele Werke. Otto Würsch leitete (zusammen mit Hermann Voerkel, Kontrabass) die Promenadenkonzerte im Auftrag der Tonhalle-Gesellschaft. Da wurde in öffentlichen Anlagen in der Stadt Zürich gehobene Unterhaltungsmusik gespielt. Otto Würsch spielte auch über viele Jahre 3. Horn und 1. Wagnertuba im Festspielorchester Luzern.
Sein Verhältnis zur Volksmusik war nicht ganz einfach. Sein Vater war nicht für ein Musikstudium des Sohnes zu begeistern und bezahlte ihm nicht einmal die Bahnreise zur Aufnahmeprüfung nach Zürich. Otto junior liess sich nicht beirren und der Eintritt ins Tonhalle-Orchester war für ihn eine grosse Bestätigung. Damit konnte er beweisen, dass er von der Musik leben konnte und er wurde als Profi akzeptiert. Andererseits wurde er dadurch von den Volksmusikanten eher gemieden. In seiner eigenen Familie war die Volksmusik kein Thema, da legte er Wert darauf, klassischer Musiker zu sein. Zusammen mit seinen Nebeneinnahmen als Musikant, Dirigent und Komponist hatte er ein gutes Einkommen. Otto Würsch verstarb viel zu früh, er war den unglaublichen Belastungen all seiner Tätigkeiten zusammen mit dem “obligaten” Alkohol- und Tabakkonsum bei den zahlreichen Anlässen nicht gewachsen.


Freudenberger Dorfmusik

Die Freudenberger Dorfmusik in den 50er-Jahren im Kongresshaus Zürich. Otto Würsch sitzend und die Gebrüder Frei an den Trompeten. Die Musik bestand aus Musikern des Tonhalle-Orchesters und des Kantonspolizeicorps Zürich. Es ist eine 9er-Musig mit Es-Klarinette, Klarinette, Wald-, Es- und Tenorhorn, Susaphon und zwei Trompeten.


Rhythm-Boys

Otto Würsch am Cornet mit seinen Rhythm-Boys, am Saxophon Jost Ribary.


  • Im Audioplayer rechts finden Sie eine Aufnahme der Komposition «Surrlibus» von Otto Würsch, gespielt in einer jüngeren Radio-Aufnahme der Niinermusig Sarnen.
  • Hier hören Sie Otto Würsch Junior am Piston und an der Bassgeige und sehen ihn auf zahlreichen Bildern mehr >>
  • Historisches Tonbeispiel der Freudenberger Dorfmusik mit Musikern des Tonhalle-Orchesters Zürich mehr >>
  • Hier hören sie den Marsch «Gruss an Freudenberg» von Otto Würsch mit den Freudenberger Dorfmusikanten und können alte Aufnahmen bestellen mehr >>

Wer hat Hinweise auf die Radioaufnahme von einem Mozart-Hornkonzert mit Otto Würsch am Solo-Horn? Das Konzert fand statt am 29. Mai 1945, das Konzert wurde von Erich Schmid, Hermann Scherchen und Otmar Nussio geleitet.

Fridolin Frei, Solo-Trompete

Gemäss den Akten in der Tonhalle arbeitete Fridolin Frei als Solo-Trompeter in der blauen Formation des Tonhalle-Orchesters (Opernhaus) von ca 1946 bis 1884. Ein herrliches Beispiel seines Spiel gibts im Audioplayer rechts: “Friedliana von Otto Würsch”. In obigem Bild der Freudenberger Dorfmusik sieht man Fridolin Frei an der Solo-Trompete. Weitere Angaben folgen.

Marcel Frei, Trompete

Marcel Frei spielte wie sein Bruder Fridolin in der blauen Formation des Tonhalle-Orchesters Zürich. Er war beteiligt in den Ensembles von Otto Würsch. Weitere Angaben folgen.

Ernst Kunz, Tuba und Kontrabass

Der Tubist- und Kontrabassist Ernst Kunz spielte bis 1982 in der roten Besetzung des Tonhalle-Orchesters. Als Junge spielte er auch Handorgel. Er kam immer wieder zu Einsätzen bei der Freudenberger Dorfmusik von Otto Würsch, bei der Seldwyler Dorfmusik von Jakob Farner und anderen. Er spielte Orgel in der Strafanstalt Regensdorf und dirigierte deren Chor, wo er eine vielbeachtete Schallplatte aufnahm. Gerne zitieren wir zu Ernst Kunz Ueli Mooser: “Ernst kritisierte jeweils meine Länderbass-Begleitung. Damals war ich leicht gekränkt – heute gebe ich ihm recht :-)”. Ernst Kunz lebt in Zürich. Das Geheimnis für sein hohes Alter: Keinen Kaffee, keinen Alkohol und kein Fleisch.

Hansjürg Leuthold, Solo-Klarinette

Hansjürg Leuthold war Solo-Klarinettist in der blauen Formation des Tonhalle-Orchesters und später im Orchester der Oper Zürich. Er spielte in Ländler-ad-hoc Formationen und auf Ueli Moosers LP «Urchig us de Fuuge» unter dem Pseudonym Joggi Abderhalden.

Jakob Hefti, Solo-Horn

Lauwiser Dorfmusik

Jakob Hefti war Solo-Hornist des Tonhalle-Orchesters Zürich von 1975 bis 2007. Er war Mitglied der Lauwiser Dorfmusikanten um Martin Imfeld, die die vergessene Musik von Ferdinand Lötscher wieder entdeckten. Ein Musikbeispiel finden Sie im Audioplayer rechts. Im Bild v.l.n.r: Jakob Hefti, Heinz Della Torre, Martin Imfeld, Pia Bucher, Markus Würsch und Armin von Rotz


Markus Würsch, Solo-Trompete

Markus Würsch

Markus Würsch war Solo-Trompeter im Tonhalle-Orchester von 1981-1995. Er war Mitglied der Lauwiser Dorfmusikanten. Siehe Hörbeispiel im Audioplayer rechts. Otto Würsch (Junior) war mit ihm verwandt, der Grossvater von Markus war ein Bruder von Otto Würsch senior. In den wilden Folk-Music-80er-Jahren spielte Markus am Schwyzerörgeli in der Schmiedgassmusik (Besetzung: Geige, Halszitter/ Hackbrett , Gitarre, Schwyzerörgeli und Bass). Auch ist Markus bekannt als begeisterter Fasnächtler und Guggenmusikant in Luzern.


Lauwiser Dorfmusik

Lauwiser Dorfmusik

Jakob Hefti und Markus Würsch spielten in der Lauwiser Dorfmusik von Martin Imfeld mit. Martin Imfeld entdeckte im Dachstock seiner Familie alte Noten von Ferdinand Lötscher. Lötscher war befreundet mit seinem Grossvater. Dank der Lauwiser Dorfmusik fanden die 50 ländlichen Tänze für sechsstimmige Blechmusik von Lötscher in den 1980er-Jahren wieder Beachtung. Ausführliche Informationen dazu >>


Promenadenkonzerte in Zürich

In den Anlagen aller Stadtkreise Zürichs fanden alljährlich traditionelle Promenadenkonzerte der 26 städtisch subventionierten Musikgesellschaften statt. Diese fanden Sonntag Vormittags oder an Mittwochabenden statt. Im Bestreben, den Charakter von Zürich als Kur- und Ferienort in den Vordergrund zu rücken, versuchte man auch Werktags um 11 Uhr Konzerte anzubieten. In der Tonhalle Zürich war ab 1959 Otto Würsch und sein Kollege Hermann Voerkel (Kontrabass) für die Programmierung und Leitung der Promenadenkonzerte zuständig. Später lag die Verantwortung beim stellvertretenden Konzertmeister Karl Wenz, gemäss Ernst Kunz ein sehr angenehmer Leiter dieser Konzerte. Gespielt wurde eine Stunde, geprobt wurde nie dafür, man spielte vom Blatt. Die Musiker schätzten die Dienste der Promenadenkonzerte nicht zuletzt, weil sie kurz waren :-) Das Tonhalle-Orchester spielte jährlich 6 Promenadenkonzerte, oft im Pavillon auf dem Bürkliplatz. Die Auswahl der Konzertplätze war offenbar im Orchestervorstand ein Thema: “Wir bitten Sie, die Auswahl der Konzertplätze den im Verhältnis zum heutigen Verkehrslärm eher bescheidenen akustischen Potenzen eines SInfonieorchesters anzupassen” (Eric Guignard, Cellist im Tonhalle-Orchester). In den vorliegenden Programmen wurden Märsche, Walzer, Polkas oder Ouvertüren von Waldteufel, Berlioz, Gounod, Blon, Meyerbeer, Wagner, Joh. Strauss oder Suppé gespielt.

Folklorenachmittage Tonhalle

In der Tonhalle Zürich fanden Folklore-Nachmittage statt, die von der SBG gesponsert waren. Für die Musikauswahl und Moderation war Wysel Gyr zuständig.

Nachmittagskonzerte Jelmoli

Im Kaufhaus Jelmoli wurde jeweils Nachmittags zwischen 16 und 17 Uhr Salonmusik gespielt. Oft waren Musiker des Tonhalle-Orchesters beteiligt, etwa Heribert Lauer (Konzertmeister). Oft spielte man in der Besetzung Klarinette, Handorgel, Klavier und Bass.


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