Volkstanz, Jodler und Trachten in der Tonhalle

Es gibt neben den alten Programmen viele Zeichen, die bis heute erhalten geblieben sind, die von einer Zürcher Kultur erzählen, wo die Tanz- und Unterhaltungsmusik der sogenannten «ernsten» Musik noch viel näher standen. Wir als Organisatoren der Stubete am See finden das schade, darum war es 2006 unser Traum, gerade in diesen Räumen wieder Volksmusik zu spielen.

Die Decke des Grossen Tonhalle-Saals ist mit drei grossen Bildern geschmückt. Das eine wird oft «zitiert», da Johannes Brahms, der neben andern Dirigenten das Eröffnungskonzert dieses Konzertsaals mitleitete, interessiert auf die Bühne schaut, was den heute gegeben wird. Wir «zitieren» das andere Bild gerne, eine ländliche Szene, die die Bergwelt, das Sennenleben, Trachten und Volksmusik glorifiziert. Volkskultur mit der dazugehörigen Musik ist 1895 in der Tonhalle Zürich zu Hause.

Der Sängerverein Harmonie Zürich war einer der Gründerchöre der Tonhalle-Gesellschaft. Beim Räumen der Tonhalle 2017 kam dieser alte Schrank zum Vorschein, wo die Notenblätter der Jodlergruppe des Sängervereins säuberlich aufbewahrt wurden. Jodeln war in der Tonhalle zu Hause.

Ein echtes Chalet auf der brandneuen Bühne im Grossen Tonhalle-Saal: Das war 1896, ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Tonhalle. Man feierte das erste Schweizerische Trachtenfest, und das natürlich in der Tonhalle Zürich. Der Bogen schliesst sich, da der administrative Leiter der Stubete am See, Johannes Schmid-Kunz heute Geschäftsführer der Schweizerischen Trachtenvereinigung ist, und zwei Mal jährlich im Kleinen Tonhalle-Saal den Primarschülern der Stadt Zürich Lust auf Schweizerische Volkstänze macht.

Auch der Schweizerische Jodlerverband war im Sommer 1930 in der Tonhalle zu Gast.

Im folgenden Bild sind Tänzer am Volkstanzball 1961 zu sehen auf der Bühne des Kleinen Tonhalle-Saals Zürich. Interessante Details zur Schweizerischen Trachtenbewegung Made in Zurich aus dem Stadtrundgang «Ländlerstadt Züri» von Dorothee Zimmermann und Madlaina Janet: «Es sind städtisch-bürgerliche Kreise, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts beginnen, die in Vergessenheit geratenen Schweizer Trachten zu sammeln und die dazugehörigen Bräuche wieder neu aufleben zu lassen. Eine paradoxe Situation: Während der Anteil, der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung rapide zurückgeht, wird die Schweiz als ein Land von Bauern mystifiziert. Als eine der ersten grossen Werbeaktionen, um die Tracht populär zu machen, organisiert der Lesezirkel Hottingen zur Einweihung des Landesmuseums 1896 einen riesigen Trachtenumzug. 1500 Trachten aus allen Teilen der Schweiz werden präsentiert. Es sollten sich möglichst Bewohner aller Kantone in ihrer jeweiligen Tracht am Umzug beteiligen, jedoch zwangen Rekrutierungsprobleme die Veranstalter dazu, vor allem Zürcherinnen in den Trachten defilieren zu lassen. Diesem Umzug in der Stadt Zürich folgen mehrere äusserst beliebte Umzüge. Jahre später, als das Tragen von Trachten in den Bäuerinnenschulen Pflicht wird, tritt die Tracht ihren Siegeszug auch in ländlicheren Gebieten an. Endgültig etabliert hat sich die Bewegung im ganzen Land in den 30er-Jahren, was sich unter anderem am Trachtenfest und -umzug der legendären Landi 39 in Zürich manifestiert, welches der meistbesuchte Anlass der Landesausstellung überhaupt war.»

Die Stubete am See nimmt die Tradition der ehemaligen Volkstanzbälle wieder auf und führte 2014 und 2016 einen Stubete-Ball im Kleinen Tonhalle-Saal durch.